Wie angekündigt soll es in diesem Artikel darum gehen die Kernelemente des hybriden – und kognitiven Krieges, gegen den menschlichen Verstand, gegenüberzustellen, um gemeinsame Schnittstellen herauszuarbeiten. Dazu war es erforderlich zunächst beide Elemente (hybrider- und kognitiver Krieg) etwas ausführlicher darzustellen.
Dieser Artikel wird der Versuch sein, dieses Ziel möglichst anschaulich und verständlich anzubieten. Ein gemeinsames Kernmerkmal beider Elemente im Abgleich möchte ich jedoch voranstellen, da es meiner Ansicht nach über der gesamten Problematik schwebt.
Jeder Versuch, gedanklich klare Zuordnungen aktueller Ereignisse zu erzielen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern.
Der Grund: Das klassische logisch-strukturierte (Schubladen) Denken, etwa für eine bessere Zuordnung und für das eigene Verständnis, ist genau der Punkt, der sowohl in der hybriden, als auch kognitiven Kriegsführung von vornherein mit den unterschiedlichsten Methoden nahezu komplett ausgehebelt wird.
Das ist auch der Punkt, warum ich mich mehr auf die kognitive Kriegsführung konzentriere, da ich dort die für mich bisher verwertbarsten Antworten finde, da sie ganz gezielt auf meinen Verstand, meine Wahrnehmung, mein Fühlen und Denken ausgerichtet sind. All diese Aspekte haben letztendlich starke Auswirkungen auf mein persönliches Handeln, was ja laut Definitionen praktisch „ferngesteuert“ werden soll und aktuell auch ferngesteuert wird. Allein diese nüchterne und zunächst sehr unangenehme Erkenntnis, der Ohnmacht, half mir aber in den letzten Jahren ein tieferes Bewusstsein dafür zu entwickeln, was mit dem menschlichen Verstand in diesem unsichtbaren Krieg wirklich gemacht wird.
Schauen wir uns also die gemeinsamen Schnittmengen vom hybriden- und kognitiven Krieg genauer an.
Die nachfolgend aufgeführten 11 Punkte beziehen sich inhaltlich auf die letzten beiden Artikel und legen die Wertigkeit der Schnittmengen in hoch, mittel und gering fest.
1. Information und Desinformation (Informationsoperationen) — Sehr hoch
Warum:
Direktes Ziel ist die Beeinflussung von Überzeugungen, Meinungen und Vertrauen; Kernbestandteil kognitiver Operationen.
Typische Instrumente:
Propaganda, Fake News, Meme-Kampagnen, Desinformationen, Bot-Netzwerke, Narrativ- und Social Engineering.
2. Diplomatie und Propaganda auf staatlicher Ebene — Hoch
Warum:
Staatliche Narrative und diplomatische Kommunikation formen internationale und interne Wahrnehmungen; beeinflussen Meinungsbildung und Legitimität.
Typische Instrumente:
Öffentlichkeitsarbeit, kulturelle und soziale Einflussprogramme, staatliche- und private Medien.
3. Cyber-Operationen — Mittel bis hoch
Warum:
Neben Datendiebstahl können Cyber-Aktionen gezielt Informationen manipulieren, Leak-Strategien erzeugen oder Vertrauen in Informationsinfrastruktur unterminieren. Das hat Folgen für Wahrnehmung und Entscheidungsverhalten.
Typische Instrumente:
Leak-Veröffentlichungen, Manipulation von Online-Plattformen, Störung von Nachrichtenkanälen.
4. Geheimoperationen & Special Operations — Mittel
Warum:
Verdeckte Aktionen können Desinformation unterstützen, gezielt eine manipulierte Faktenlage schaffen oder lokale Akteure beeinflussen; die direkte kognitive Wirkung entsteht häufig kombiniert mit Informationskampagnen.
Typische Instrumente:
Psychologische Operationen (PsyOps), gezielte Desinformationsstreuung gekoppelt an geheime Aktionen.
5. Nutzung von Proxy-Akteuren und kriminellen Netzwerken — Mittel
Warum:
Proxys verbreiten Narrative vor Ort oder online und verschleiern Urheberschaft; dadurch erhöhte Glaubwürdigkeit und Reichweite kognitiver Maßnahmen.
Typische Instrumente:
Einsetzen lokaler Medien, Troll-Farmen, gezielte und vorab manipulierte Influencer-Ansprache.
6. Legale Instrumente (Lawfare) und administrative Eingriffe — Mittel
Warum:
Rechtliche/administrative Aktionen können Wahrnehmungen von Legitimität oder Bedrohung formen (z. B. durch öffentliche Verfahren, Informationskontrolle, Bestrafe einen und erziehe alle).
Typische Instrumente:
Öffentlichkeitswirksame Gerichtsverfahren, Informationssperren, Regulierungsmaßnahmen mit Signal- und Warnwirkung.
7. Intelligence / Spionage — Mittel
Warum:
Informationsgewinnung liefert Targeting-Daten (Wer ist anfällig? Welche Narrative wirken?) — unterstützt effektive kognitive Operationen.
Typische Instrumente:
Zielgruppensegmentierung, psychografische Profile, Open-Source-Monitoring.
8. Wirtschaftlicher Druck / ökonomische Einflussnahme — Gering bis mittel
Warum:
Ökonomische Maßnahmen wirken primär materiell, können aber Stimmungen, Vertrauen in Regierung oder Sozialsysteme und damit kognitive Reaktionen auslösen.
Direkter Einsatz zur Beeinflussung von Wahrnehmung ist weniger typisch, aber möglich.
Typische Instrumente:
Energie-Abhängigkeiten als narratives Druckmittel, gezielte Sanktionen mit medialer Begleitung.
(Nord-Stream ?)
9. Infrastruktur- und Sabotageakte — Gering bis mittel
Warum:
Physische Störungen erzeugen Angst, Unsicherheit und Misstrauen. Diese kognitiven Effekte sind Folge, aber nicht primär kommunikativ gesteuert.
In Kombination mit Informationskampagnen steigt die kognitive Wirkung.
Typische Instrumente:
Stromausfälle mit begleitender Desinformation über Ursache und Täterschaft.
10. Unkonventionelle/irreguläre Kräfte — Gering bis mittel
Warum:
Irreguläre Aktionen können lokale Narrative schaffen (z. B. Terror-/Befreiungsframe), beeinflussen aber meist eher physische Kontrolle; kognitive Effekte ergeben sich sekundär oder in Kombination mit PR/Desinfo.
Typische Instrumente:
Lokal narrative Inszenierungen, gesteuerte Medienauftritte von bisher lokal unbekannten Proxy-Milizen.
11. Konventionelle militärische Einsätze — Gering
Warum:
Primär kinetisch-strategisch; kognitive Effekte (Schock, Demoralisierung) sind möglich, aber nicht das zentrale Instrument der kognitiven Kriegsführung.
Kognitionseffekte werden meist durch ergänzende Informationsoperationen gezielt verstärkt. (Kriegspropaganda)
Typische Instrumente:
Hohe mediale Präsenz, gezielte und stark manipulierte Informationsbegleitung militärischer Aktionen.
(Ukraine/Russland, Naher Osten)
Zusammengefasst bedeutet das:
Direkteste Schnittmengen:
Informations-/Desinformationsoperationen und staatliche Diplomatie/Propaganda, sind Kerninstrumente kognitiver Kriegsführung.
Unterstützende-Elemente:
Cyber, Geheimoperationen, Intelligence, Proxies und Lawfare liefern Mittel, Zielgruppendaten oder Verdeckungsmechanismen, die kognitive Maßnahmen verstärken oder erst ermöglichen.
Indirekte Effekte:
Ökonomische, infrastrukturelle und rein militärische Aktionen erzeugen kognitive Folgeeffekte (Verunsicherung, Vertrauensverlust), sind aber weniger primär als Instrumente der kognitiven Beeinflussung.
Fazit: Für den normalen Menschen ist es praktisch unmöglich zu erkennen, welche Mittel bei einzelnen Ereignissen gerade miteinander interagieren. Welche Zielsetzung dahinter steckt und wer die wahren Akteure im Hintergrund sind.
Das ist das perfekte Einfallstor, um Menschen steuerbar zu machen, da der menschliche Verstand von Natur aus automatisch (unbewusst) immer danach strebt, Kohärenz/Ordnung/Gleichgewicht zu erzeugen.
Der ideale Nährboden, um gezielt Falschmeldungen zu streuen, um selbige dann gleichzeitig öffentlich als Verschwörungstheorien zu brandmarken.
Dabei geht es gar nicht Vordergründig um wahr oder falsch.
Es geht im Kern um den daraus entstehenden Konflikt/Streit an sich.
Effektverstärker und Transportmittel
Die folgende Übersicht zeigt auf, wie die zuvor genannten Möglichkeiten in die Köpfe der Menschen transportiert werden können, um dort möglichst effektiv Wirkungen zu erzielen. Wie gleich sichtbar wird.
Es gilt zu verstehen:
Der kognitive Krieg ist multidimensional, da er gleichzeitig über alle Ebenen geführt wird. Der weit verbreitete Eindruck, nur die Medien seien an allem Schuld, wird sich im Folgenden als völlig unzureichend erweisen.
Es ist weit mehr.
1. Medienlandschaft und Informationsumgebung
Element:
Klassische Medien (TV, Radio, Print), Online-Portale, Blogs, Social Media-Plattformen.
Funktion-Hybridkrieg:
Verbreitung von Narrativen, Verdeckung von Operationen, Destabilisierung durch Informationsüberflutung.
Kognitiver Krieg:
Direkte Beeinflussung von Wahrnehmung, Vertrauen und Entscheidungsprozessen.
Akteure:
Journalisten, Redaktionen, Influencer, Kommunikationsagenturen, Denk-Fabriken, NGOs, Plattformbetreiber.
2. Digitale Infrastruktur und soziale Netzwerke
Element:
Soziale Medien, Kommunikations-Apps, Internet-Foren, Suchmaschinen, künstliche Intelligenz.
Funktion-Hybridkrieg:
Plattformen dienen als Träger für Desinformation, Cyber-Angriffe oder Identitätsverschleierung.
Kognitiver-Krieg:
Manipulation von Algorithmen, gezieltes Targeting (Einzelansprache) von Zielgruppen, psychologische Wirkung über Dauerexposition.
Akteure:
IT-Unternehmen, Plattformbetreiber, Data Broker, Content Creator.
3. Bildungs- und Wissenschaftssektor
Element:
Schulen, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Thinktanks.
Funktion-Hybridkrieg:
Einfluss auf akademische Diskurse, Nutzung von Forschungsdaten oder Experten zur Legitimation von Narrativen.
Kognitiver-Krieg: Langfristige Formung von Weltbildern, Identitäts- und Wahrnehmungsstrukturen.
Akteure:
Lehrkräfte, Forscher, wissenschaftliche Institutionen, Studenten-Organisationen.
4. Zivilgesellschaft und NGOs, Denk-Fabriken
Element:
Menschenrechtsorganisationen, Kulturvereine, Stiftungen, Bürgerbewegungen.
Funktion-Hybridkrieg:
Nutzung als Deckmantel für Einflussoperationen oder zur Mobilisierung öffentlicher Meinung.
Kognitiver-Krieg:
Beeinflussung kollektiver Identitäten, moralischer und normativer Orientierungen.
Akteure: NGO-Mitarbeiter, Aktivisten, Freiwillige (meist unbewusst).
5. Wirtschaft und Finanzsystem
Element:
Unternehmen, Banken, Energieversorger, Lieferketten, Arbeitsmärkte.
Funktion-Hybridkrieg:
Wirtschaftlicher Druck, gezielte Marktinterventionen, Lieferunterbrechungen, Nutzung von Abhängigkeiten.
Kognitiver-Krieg:
Erzeugung von Unsicherheit, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Vertrauensverlust in wirtschaftliche Stabilität.
Akteure:
Wirtschaftsführer, Branchenverbände, staatliche Aufsichtsbehörden.
6. Kulturelle und kreative Sektoren
Element:
Film, Musik, Kunst, Sport, Literatur, Unterhaltungsindustrie.
Funktion-Hybridkrieg:
Nutzung kultureller Soft Power zur Imagebildung, Identitätsbindung oder Ablenkung.
Kognitiver-Krieg:
Gestaltung von Narrativen, Symbolen und emotionalen Leitbildern, die Wahrnehmung und Zugehörigkeit beeinflussen.
Akteure:
Künstler, Produzenten, Sportverbände, Kulturinstitute.
7. Kommunale und politische Strukturen
Element:
Parteien, Kommunalverwaltungen, Bürgerforen, Parlamente.
Funktion-Hybridkrieg:
Infiltration, Lobbying, Beeinflussung von Entscheidungsprozessen, Nutzung politischer Spannungen.
Kognitiver-Krieg:
Veränderung politischer Wahrnehmung, Polarisierung, Vertrauensverlust in demokratische Prozesse.
Akteure:
Politiker, lokale Entscheidungsträger, Meinungsführer.
8. Gesundheits- und Kriseninfrastruktur
Element:
Gesundheitssysteme, öffentliche Kommunikation bei Krisen (z. B. Pandemie, Energieversorgung).
Funktion-Hybridkrieg:
Angriffe auf Versorgung, Verbreitung von Falschinformationen über Gefährdungslagen.
Kognitiver-Krieg:
Auslösen von Angst, Misstrauen gegenüber Behörden oder wissenschaftlichen Quellen.
Akteure:
Gesundheitsbehörden, Mediziner, Medien, NGOs.
9. Diaspora- und Migrationsgemeinschaften
Element:
Migrantische Communities, Exilgruppen, kulturelle Vereinigungen.
Funktion – Hybridkrieg:
Kanäle für Einflussnahme, Informationsfluss oder Mobilisierung über Grenzen hinweg.
Kognitive-Krieg:
Formung kollektiver Identität, Loyalitäten und Narrative zu Herkunft und Zugehörigkeit.
Akteure:
Community-Leader, religiöse oder kulturelle Organisationen.
10. Private Daten- und Kommunikationsdienste
Element:
Telekommunikation, Cloud-Anbieter, Werbenetzwerke, KI-Systeme zur Verhaltensanalyse.
Funktion-Hybridkrieg:
Datenbeschaffung, Überwachung, Einfluss durch algorithmische Steuerung.
Kognitiver-Krieg:
Nutzung von Nutzerdaten für psychologische Profilbildung und gezielte Beeinflussung.
Akteure:
Tech-Unternehmen (Big -Data/USA), Analysefirmen (z.B. Palantir/USA), Plattform – Nutzer – Ökosysteme (Messanger- Dienste).
Wie hier deutlich zu sehen ist, hat sich dieser unsichtbare Krieg praktisch in die gesamte Zivilgesellschaft hineingefressen. Eine Erkenntnis, auf die ich immer wieder verweisen werde.
Es ist also völlig sinnlos, immer sofort einen Täter/Verursacher/Akteur auszumachen, da hier die begründete Annahme entsteht, dass vermeintliche Täter/Verursacher/Akteure oftmals selbst nicht wissen welche Rolle sie in einer imaginären Szenario gerade spielen.
Zum Schluss setzte ich noch einen oben drauf
Die bisherigen Zusammenfassungen können sehr leicht auf auf die Vorgänge in einzelnen Nationalstaaten projiziert werden. Das werde ich später an konkreten Fallstudien auch noch machen. Anhand der aktuell deutlich sichtbar fehlenden Friedensbewegung in Deutschland, habe ich das hier bereits einmal kurz und unter Zuhilfenahme von Chat GPT durchgespielt. Aber das geht noch besser.
Daraus wird vermutlich eine 2. Staffel mit weiteren 10 Artikeln entstehen. Das Potential ist in jeden Fall vorhanden.
Was ich bisher eher nur am Rande behandelt habe, ist die dringend erforderliche Weitsicht, die weit über nationale Grenzen hinausgehen muss.
Die folgende Tabelle als eine Kurzübersicht soll das verdeutlichen. Aus meiner Sicht ist es extrem wichtig, gezielt vorgegebene Echokammern zu erkennen und ganz bewusst zu verlassen, um eine neue und erweiterte Sichtweise zu erhalten, die den globalen Maßstab verdeutlicht und abbilden kann.
| Bereich | Beschreibung | Korrelation – Gemeinsamkeiten |
|---|---|---|
| Internationale Vernetzung | Hybride Kriegsführung nutzt globalisierte Kommunikations-, Finanz- und Informationsnetze. | Globalisierung schafft die Infrastruktur, auf der hybride- und kognitive Mittel (z. B. Cyber, Medien, Datenströme) überhaupt erst wirken können. |
| Grenzüberschreitende Akteure | In hybriden Szenarien agieren staatliche und nichtstaatliche Akteure oft transnational. | In einer globalisierten Welt verschwimmen die Grenzen zwischen staatlichen, militärischen und privaten Einflussformen, dies erleichtert hybride- und kognitive Aktivitäten. |
| Informationsräume | Globale Medienplattformen und Netzwerke sind zentrale Schauplätze hybrider Operationen. | Dieselben globalen Informationssysteme sind auch Werkzeuge wirtschaftlicher oder politischer Integration. |
| Wirtschaftliche Abhängigkeiten | Hybride Strategien nutzen Handels- oder Energieabhängigkeiten zur Einflussnahme. | Globale Wirtschaftsverflechtungen schaffen die Voraussetzung solcher Verwundbarkeiten. |
| Normative Ordnung | Hybride Kriegsführung zielt häufig auf Destabilisierung oder Untergrabung internationaler Institutionen. | Global Governance-Systeme können dabei entweder Ziel oder Akteur in Reaktionen auf hybride Bedrohungen sein. |
An dieser Stelle, vielen Dank für Dein Interesse.
Hast Du Fragen oder eigene Ideen dazu, dann schreib gerne in den Kommentaren, oder auf unseren/meinen WsD Facebook Post. Gern auch über unser Kontaktformular.
Bis bald:
Beste Grüße Ralph