Wer an den bösen Putin denkt, sollte nicht alles glauben was er denkt.

… denn ganz so einfach ist es nun wahrlich nicht.

Gestern veröffentlichten wir einen Artikel von Jörg mit dem Titel „Schluss mit der „Freundschaft“ oder läuft noch was?„, im Bezug auf die aktuellen Ereignisse rund um das Schwedter PCK. Ich möchte heute an diesen Artikel anknüpfen und mir die politisch-medial zelebrierten Narrative vom „bösen Putin“ etwas genauer anschauen. Bezugnehmend auf den letzten Absatz aus Jörg’s Artikel. Insbesondere wenn er am Ende schrieb.

Was und wo die Ursachen des Ukrainekriegs sind und die Frage, warum die aktuellen Aktionen um Schwedt und das Öl (wieder einmal) nur symptomatische Kosmetik sind, soll im in Kürze folgenden zweiten Teil zum Thema beschrieben werden

Die aktuelle Sachlage

Seit Februar 2022 herrscht in der westlichen Welt wieder eine wahrhaftige Anti-Russenhysterie. Allen voran wird natürlich Putin als eine Art Ausgeburt der Hölle stilisiert.
Nun, ich bin Ostdeutscher und mir ist natürlich bewusst, weder die Russen als souveränes Volk, noch Putin, als russisches Staatoberhaupt, sollte man pauschal in die Reihen braver Chorknaben einordnen. Das hat uns die Geschichte zweifelsfrei präsentiert.
Das wäre auch etwas zu kurz gedacht. Hilfreicher wäre es ganz sicher die ganze emotionale Schiene etwas zur Seite zu schieben, um der rationalen Betrachtungsweise etwas mehr Raum zu geben. Geopolitik, um nichts anderes geht es, ist völlig frei von jeder Emotion. Das aber bekommen viele Menschen offensichtlich nicht hin.

Aktuell höre ich wieder von der „Wendehalssymptomatik“, „Fähnchen Schwenkern“ oder “ wieder einmal der alte Wein in neuen Schläuchen“ und schlimmeres. Und ganz ehrlich? Ich kann mich dieser Argumentation nur sehr schwer entziehen. Aber diese Problematik hier weiter auszuführen würde ganz sicher den Rahmen sprengen.

Es herrscht de facto Krieg.

Auch wenn die Ereignisse in der Ukraine in den russischen Medien sehr häufig als „militärische Sonder- oder Spezialoperation“ bezeichnet werden, was aus russischer Sichtweise natürlich einen Hintergrund haben dürfte

(Stichwort: Völkerrecht , UN-Charta – Gewaltverbot). Aber auch die historischen Belange der Russen gehören in die Betrachtungsweise mit aufgenommen. Das ist wohl eine der Hauptmotivationen der ganz sicher nicht angenehm anmutenden Aktivitäten Russlands in der Ukraine.

Egal wie man diesen Wahnsinn auch bezeichnet. Es bleibt am Ende ein Krieg. Menschen, auf beiden Seiten bis aufs schwerste bewaffnet, schießen aufeinander und sterben dabei. Wie sollte man einen Krieg sonst auch anders definieren! Das Ereignis an sich kann man als humanistisch geprägter Mensch nur verurteilen. Denn …

Wer bitte in Deutschland will einen Krieg? In meinen 60 Lebensjahren ist mir persönlich kein einziger Mensch über den Weg gelaufen, der sich für so einen Irrsinn hätte begeistern können.
Schaue ich in den Mainstream erschließt sich mir auf paradoxe Art ein ganz anderes Bild. Die Frage ob ich mich in einem falschen Film befinde habe ich mir schon seit langem mit JA beantwortet.

Der Blickwinkel zur persönlichen Meinungsbildung ist ganz sicher entscheidend

Natürlich kann man jede kriegerische Auseinandersetzung als eine Art Momentaufnahme betrachten und dann berechtigter Weise auch verurteilen. Menschen sterben auf Befehl anderer. Daran war noch nie etwas positives.
Außen vor bleibt bei dieser Sichtweise meist die Entwicklungsgeschichte.
Also wie konnte es überhaupt dazu kommen oder was für Ereignisse führten in ihren kausalen Zusammenhängen zu diesen kriegerischen Auseinandersetzungen? Wer waren die Akteure? Ich möchte dies hier nicht in aller Tiefe darstellen. Auch daraus würde sicher eine unendliche Geschichte entstehen.

Ein festgesetzter Betrachtungszeitraum von etwa 1990 – 2014 soll zunächst reichen.

Historisch gesehen blicke ich an dieser Stelle bis zum Anfang der 1990iger Jahre zurück und werde Menschen in Form bemerkenswerter Aussagen zu Wort kommen lassen, die bezugnehmend auf die heutigen Ereignisse im Russland-Ukraine Konflikt beachtliche Dinge vorhergesehen haben und auch ganz klar öffentlich formulierten. Ich beende in diesem Artikel ganz bewusst die Betrachtungsweise im Jahr 2014. Also in dem Jahr als die Ukrainische Regierung in Kiew damit begann die in der Ostukraine lebenden ukrainischen Staatsbürger mit militärischen Mitteln zu terrorisieren. Das vermeintliche „Verbrechen“ dieser Menschen? Sie fühlten sich mehr russisch als ukrainisch. Für den Zeitraum von 2014 – 2020 sind ganz sicher sehr viele weitere Artikel erforderlich. Hier soll es jedoch nur um eine erweiterte Entstehungsgeschichte gehen, die unter einer großen Überschrift steht, die da lautet:

NATO – Osterweiterung

Im Zeitraum von 1990 – 2014 geisterte diese Begrifflichkeit der NATO-Osterweiterung immer wieder durch die Mainstreammedien des Westens, gebrandmarkt als Blödsinn aus Moskau. Inzwischen wird sogar wieder von der „Ostflanke“ fabuliert. Eine Vokabel bei der insbesondere jeder nur halbwegs geschichtsbewusste Deutsche sofort so etwas wie Schnappatmung bekommen müsste, denn diese bisher vermeintliche und „völlig harmlose „NATO-Osterweiterung“ hat ihren hoffentlich vorläufigen Endpunkt mit eben dieser „NATO- Ostflanke“ derzeit erreicht.
Diese Vokabel nutzt (missbraucht?) kein geringer als die deutsche Bundesregierung höchst persönlich. Auf deren offiziellen Webseite hieß es dazu am 10.05.2022, „Mehr Bundeswehr an Nato-Ostflanke„.
Die Frage lautet nun: Wann wird aus der Ostflanke wieder eine Ostfront? Wollen wir (also mehrheitlich das Volk) so einen Wahnsinn wie die Neuauflage des 2. Weltkrieges nochmal?
Wieviel deutlicher muss man es den Menschen hierzulande noch vor Augen führen um aufzuzeigen wessen Geist mehrheitlich im Bundestag sein Unwesen treibt. Und ich frage mich ernsthaft. Sind die nun völlig irre geworden?

Das dieser Irrsinn, der derzeit einen Höhepunkt erreicht hat schon seit langen nicht nur bekannt sondern vielmehr auch gezielt gefördert wurde, zeigen die nachfolgenden Zitate mehr als deutlich auf.
Es ist eben dieser Zeitraum, etwa von 1990 -2014.

Zitate-Sammlung

George Kennan, gehörte zu den bedeutendsten Strategen der US-Geschichte. Bereits 1998 warnte er davor, dass die NATO-Erweiterung ein „tragischer Fehler“ sei, die eines Tages eine „schlimme Reaktion durch Russland“ hervorrufen würden.

Ganz ähnlich Henry Kissinger 2014. Er meinte, dass „die Ukraine aus russischer Sicht niemals bloß, Ausland sein“ könne. Der Westen solle daher eine Linie wählen, die auf „Aussöhnung“ abzielt.
Zudem sollte die „Ukraine nicht der NATO beitreten“. https://washingtonpost.com/opinions/henry-kissinger-to-settle-the-ukraine-crisis-start-at-the-end/2014/03/05/46dad868-a496-11e3-8466-d34c451760b9_story.html

John Mearsheimer – ein führender US-Professor für Geopolitik – stellte 2015 fest: „Der Westen lockt die Ukraine auf einen Holzweg, an dessen Ende die Katastrophe für sie lauert. […] Was wir de facto tun, ist dieses Ergebnis zu befördern.“

Jack F. Matlock Jr., US-Botschafter in der UdSSR 1987-1991, warnte 1997, dass die NATO-Erweiterung eine „fundamentale strategische Fehlleistung“ sei. Sie werde eine „Ereignisskette starten, die das größte Sicherheitsrisiko seit dem Ende der UdSSR“ hervorbringen könne.

Bill Clintons Verteidigungsminister William Perry hielt in seinen Memoiren fest, dass die NATO-Erweiterung aus seiner Sicht einen „Bruch in den Beziehungen zu Russland“ auslöse. 1996 erwog er aufgrund dieser Überzeugung sogar den Rücktritt.

Noam Chomsky 2015: „die Idee, dass sich die Ukraine einem westlichen Militärbündnis anschließt, wäre für jeden russischen Präsidenten inakzeptabel“. Die Bestrebungen der Ukraine würden sie nicht schützen, sondern vielmehr gefährden.

Stephen Cohen, ein anerkannter Russlandforscher, warnte 2014: „Falls wir Kräfte der NATO näher an Russlands Grenze verschieben […] werden wir die Situation eindeutig militarisieren. Russland wird dabei nicht zurückweichen.“

Der russisch-amerikanische Journalist Vladimir Pozner sagte 2018, dass die NATO-Erweiterung durch die Ukraine inakzeptabel für Russland sei und dass es einen Kompromiss geben müsse, in dem die „Ukraine garantiert nicht NATO-Mitglied wird“.

Kurz bevor der Krieg ausbrach, warnte der Ökonom Jeffrey Sachs in seiner Kolumne für die FT (Financiel Times) davor, dass „die NATO-Erweiterung fehlgeleitet und riskant“ sei. „Wahre Freunde der Ukraine und des Weltfriedens“ sollten vielmehr auf einen Kompromiss mit Russland drängen.

CIA-Direktor Bill Burns 2008: „Der NATO-Beitritt der Ukraine ist die schrillste aller roten Linien für Russland. Ich kenne niemanden, der darin etwas anderes sieht als eine unmittelbare Bedrohung russischer Interessen.“

Paul Keating, ehem. Premier Australiens, 1997: Die NATO-Erweiterung sei „ein strategischer Fehler, der am Ende denjenigen Fehleinschätzungen gleicht, die Deutschland [Anfang des 20. Jhd.] die volle Teilhabe an der Weltgemeinschaft gekostet haben.“

Der ehemalige US-Verteidigungsminister Bob Gates 2015: „In der Schnelligkeit [der NATO-Erweiterung] lag ein Fehler. […] Der Versuch, Georgien und die Ukraine in die NATO zu bringen, ging zu weit – eine kolossale Provokation.“

Sir Roderic Lyne, ehemaliger britischer Botschafter in Russland, warnte 2021, dass „es in jeder Hinsicht dumm sei, die Ukraine in die NATO [zu drängen]. Wenn man einen Krieg mit Russland vom Zaun brechen will, ist dies der beste Weg.“

Der US-Politiker Pat Buchanan schrieb 1999 in seinem Buch “A Republic, Not an Empire”: „Indem wir die NATO in den Vorgarten Russlands verschieben, treten wir die Konfrontation des 21. Jahrhunderts los.“

Dieses Telegramm von 2008 stammt ebenfalls von Bill Burns, dem damaligen US-Botschafter in Russland. Er informierte darüber, dass Russland die geplante NATO-Erweiterung als militärische Bedrohung sieht.

Tim Marshall, ehemaliger Redakteur für Außenpolitik bei Sky News, schrieb 2015: Aus russischer Sicht wäre „eine pro-westliche Ukraine mit dem Ziel eines EU- oder NATO-Beitritts unerträglich“ und könnte „einen Krieg auslösen“.

1997 schrieben 50 prominente Experten für Außenpolitik einen offenen Brief an Bill Clinton, in dem sie ihren Widerspruch zur NATO-Erweiterung zur Sprache brachten. Diese sei ein „politischer Fehler historischen Ausmaßes“.

George Beebe, Russlandanalyst der CIA, brachte die russischen Aktivitäten in der Ukraine im Januar mit der NATO-Erweiterung in Verbindung. Er erklärte, dass Russland sich „bedroht fühle“ und „[aus Sicht des Kremls] Untätigkeit riskant wäre“.

Ted Galen Carpenter, Senior Fellow am Cato Institute, schrieb 1994, dass die NATO-Erweiterung eine „unnötige Provokation gegenüber Russland“ sei. Heute ergänzt er: „Wir bezahlen den Preis für die Überheblichkeit der USA.“

Frank Blackaby, ehemaliger Leiter des SIPRI-Instituts schrieb 1996, dass „jede russische Regierung militärisch wie auch politisch [auf eine NATO-Erweiterung] reagieren würde“, und dass „Europa […] auf den Zweiten Kalten Krieg“ zusteuert.

Fazit:

Das von der inzwischen sehr gut etablierten Betroffenheitsindustrie hochstilisierte Kollektivjammern stellt sich am Ende wieder einmal mehr als reine Phrasendrescherei dar. Am lautesten schreien nun jene, die all die Jahre feste mit gezündelt und provoziert haben, wohlwissend was kommen wird und entgegen aller Versprechen gegenüber Russlands aus den 1990iger Jahren. Der amtierende US Präsident Biden brachte es auf ziemlich makabere Art auf den Punkt, als er sagte:

Wir kämpfen bis zum letzten Ukrainer

Quelle: Junge Welt vom 04.05.2022, Titel: „Bis zum letzten Ukrainer – Kollektiver Westen gegen Russland

Wieder bleibt die Frage unbeantwortet im Raum. Wer ist eigentlich WIR? Wollen WIR, also die Masse, wieder stillhalten und zusehen wie Söhne, inzwischen ja auch Töchter, erneut an der Ostfront sinnlos „verheizt“ werden?
Der Debattenraum zur Wiedereinführung einer allgemeinen Wehrpflicht ist bereits eröffnet, wie es u.a. beim NDR im März 2022 zu lesen war. Sind wir in Deutschland wirklich wieder bereit all jenen blind zu folgen, die sich nur allzu gern hinter diesem nichtssagendem WIR verstecken. Davon werden auch jene betroffen sein, die derzeit noch stramm im Gleichschritt der Political Correctness mitmarschieren.

PS: Vieles was Du hier gelesen hast mag dir vielleicht wie langweiliger „kalter Kaffee“ vorkommen. Vielleicht weil du all meine Argumente bereits kennst. Ich unterhalte mich sehr viel mit jungen Menschen (gestern z.B. habe ich mit einem 8jährigen Jungen über das Geld und Finanzsystem gesprochen) Diese jungen Menschen wissen viele dieser Dinge nicht. Das ist immer wieder festzustellen. Ihre Neugierde diese Dinge zu erfahren ist aber deutlich spürbar vorhanden. Nimm also diese und weitere Artikel als eine Art Diskussionsgrundlage für Gespräche in Deinem Umfeld.

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