Krieg. Kaum ein Ereignis beschäftigt die Menschen aktuell mehr als jemals zuvor. Und bei kaum einem Thema gehen die Meinungen weiter auseinander.
Die Einen meinen, die Menschheit befindet sich bereits wieder in einem Krieg, die Anderen bestreiten das kategorisch. „Man sieht ja nichts“, so die allgemeingültige Darstellung. Doch ist das wirklich so ?
Mit diesem Artikel möchte ich eine Artikelserie, hier auf WsD- Schwedt starten und versuchen etwas Klarheit in diese Pro & Contra- Debatte zu bringen. Denn ganz so einfach ist diese Kontroverse dann doch nicht.
Was war Krieg und was ist Krieg heute?
Grundsätzlich kann man sagen, beide Seiten haben zunächst recht. Das ist sicher nicht befriedigend.
Das wird es aber, wenn man hier etwas ins Detail geht, was ich seit nunmehr über sechs Jahren intensiv tue. Ich habe daraus ein persönliches Forschungsgebiet gemacht und möchte meine Forschungsergebnisse hier Schritt für Schritt aufzeigen, um einen erweiterten Bewusstseinsraum dafür zu schaffen. Für das, was Krieg war und heute ist.
Was war Krieg?
Wenn wir in der kollektiven Masse über Krieg sprechen, dann assoziieren wir das mit Gewalt und Zersörung, mit kinetischen Waffen, territorialen Kriegsgebieten oder gegenüberstehenden Armeen, besiegten Gegnern, etc. (wie aktuell noch im Russland/Ukraine – Konflikt).
Das allgemeine Verständnis für Krieg beruhte in seinem Kern von jeher auf der Definition von Krieg, u.a. erstellt durch den bekannten preußischen Militärführer- und Philosophen Carl von Clausewitz (1780-1831)
Definition:
Krieg ist „ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“ – geführt mit militärischen Mitteln, zwischen Staaten, mit klarer Front, Eskalationslogik und Ende durch Sieg oder Niederlage.
Ich nutze dieses Zitat hier ganz bewusst, da es mir sowohl im westlichen Militär USA/NATO, aber auch im russischen, chinesischen und indischen Raum immer wieder begegnete. Es lässt den Schluss zu, dass von Clausewitz beim Militär weltweit heute noch einen hohen Stellenwert hat. Das stimmt nachdenklich.
Das geistige Bild von diesem „klassischen Krieg“ ist in den allermeisten Köpfen der heutigen Zeit noch sehr fest verankert und hat sich so gut wie überhaupt nicht verändert. Entsprechend entstehen daraus auch heute noch diese hitzigen Debatten, ob nun bereits ein Krieg stattfindet oder nicht.
Eine sicher bittere Pille. Auch der Krieg unterliegt der fortschrittlichen Entwicklung. Nur niemand hat es bemerkt.
Was die breite Masse der Menschen kaum mitbekommen hat, ist der Umstand, dass Militärs ab den 1990er Jahren (Zusammenbruch des Ostblocks/Beendigung des kalten Krieges) damit begannen, Kriegsdefinitionen, wie die von Clausewitz, komplett zu überdenken und völlig neu zu formulieren.
Genauer gesagt: Der Krieg, nach Clausewitz, hörte auf zu existieren. Ich werde daher in der Folge, als klares Unterscheidungsmerkmal, nur noch vom „klassischen Krieg“ schreiben.
Betrachten wir ab nun diesen klassischen Krieg „nur noch” als einen möglichen Bestandteil einer neuen Art von Krieg, in völlig neuen Dimensionen.
Dimensionen, die der Allgemeinheit kaum bis gar nicht bekannt sein dürften. Das macht diesen Krieg noch perfider, als er allgemein schon immer war, denn er wurde weitestgehend unsichtbar gemacht. Was für manche völlig absurd erscheint, wird deutlicher, wenn man genauer hinschaut. Die komplett neue Definition von Krieg bezeichne ich inzwischen als eine Verschmelzung von rein zivilen – mit militärischen Mitteln und weit darüber hinaus. Das hört sich nicht schön an, aber es wird zunächst auch nicht besser.
Immerhin. Hier ist immer noch von Krieg die Rede.
Man kann sagen : Es fand eine Art von Hybridisierung als Ergebnis eines neuen Krieges mit dem Zivil- und Militärsektor statt.
- Begriffsdefinition Hybrid
Hybrid = etwas, das aus zwei oder mehr unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt ist oder Eigenschaften verschiedener Herkunft miteinander verbindet. - Ursprung:
Das Wort hybrid stammt vom lateinischen Begriff „hybrida“ (auch: hibrida),
der ursprünglich „Mischling“ bedeutete – insbesondere den Nachkommen zweier unterschiedlicher Arten oder Gruppen (z. B. Tierarten oder Völker). - Bedeutungsentwicklung:
- Englisch/Deutsch (19. Jh.): Übernahme in wissenschaftlichen Kontext (Biologie, Technik)
- Lateinisch: hybrida → „Mischling, Bastard“
- Französisch:hybride → „von zweierlei Herkunft“
Sprechen wir also nicht mehr vom „klassischem Krieg“, sondern vom „Hybriden Krieg“
Das ist keine Bezeichnung, die ich mir hab einfallen lassen. Das ist eine Bezeichnung, die das Resultat der kompletten Neu-Definition vom Krieg durch Militärs ganz offiziell und vergleichsweise neu geschaffen wurde.
Die hybride Kriegsführung, oder der hybride Krieg.
Dieser hybride Krieg findet gleichzeitig im zivilen Sektor, aber auch auf dem klassischen Schlachtfeld militärisch statt. Aber eben nicht mehr nur dort, darauf komme ich weiter unten zurück, wenn es dann heißt:
„Full Spectrum Dominance“
Es ist praktisch ein Mehrebenen Krieg, der gleichzeitig an ganz unterschiedlichen Orten stattfinden kann, aber nicht muss, wie wir noch sehen werden. Es bleibt aber derselbe Krieg.
Mancher wird sich fragen, was daran neu sein mag.
Um diese Frage zu beantworten, macht es Sinn, noch einen Zwischenstopp einzulegen, um einen weiteren , kaum bekannten Begriff zum besseren Verständnis ins Spiel zu bringen. Er lautet, eigentlich völlig nichtssagend:
5GW – Und was ist das?

5GW ist eine vom Pentagon geschaffene Abkürzung, hinter der sich „Die fünfte Generation der modernen Kriegsführung“ (engl. Fifth-Generation Warfare ) versteckt. Dabei ist die fünfte Generation, nach militärischen Sichtweisen eigentlich die momentan letzte zu beherrschende Generation, oder besser: Domäne. Das macht es verständlicher.
„The Handbock of 5GW„, erschienen auf englisch, am 14. 09. 2010 (Amazon). Das Buch behandelt u.a. ausführlich die militärische Entwicklung über Jahrhunderte hinweg im historischen Kontext.
Daraus entstand das sog. xGW- Framework. Wobei „x“ in diesem Fall für die Zahl „5“ steht. Nicht zu verwechseln mit den Mobilfunkstandards. Die müssen wir in einen völlig anderen Kontext einbeziehen.
Übersicht der Generationen im xGW-Framework
| Generation | Zeitraum (ungefähr) | Kernmerkmale | Beispiele |
|---|---|---|---|
| 1GW – Lineare Kriegsführung | 17.–19. Jh. | Linien- und Formationskampf; Massenheere; Musketen und Artillerie; klarer Gegner | Napoleonische Kriege |
| 2GW – Industrieller Krieg | späte 1800er – 1918 | Feuerkraft, Stellungskrieg, industrielle Mobilisierung, Logistikdominanz | Erster Weltkrieg |
| 3GW – Bewegungs- und Blitzkrieg | 1930er–1945 | Geschwindigkeit, Manöver, Panzer, Luftwaffe, kombinierte Waffensysteme | Zweiter Weltkrieg |
| 4GW – Asymmetrische / Irreguläre Kriegsführung | ab 1970er | Nichtstaatliche Akteure, Guerilla, Terrorismus, Ideologien, Medien | Vietnam, Irak, Afghanistan |
| 5GW – Informations- / Kognitive Kriegsführung | ab 2005–heute | Informationsdominanz, Cyber, KI, Beeinflussung, soziale Kontrolle, Deepfakes | Wahlbeeinflussung, Cyberkampagnen |
| (teilweise diskutiert) 6GW – Autonome / KI-gestützte Konflikte | Zukunft | Autonome Systeme, maschinelle Entscheidungsfindung, algorithmische Kriegsführung | Zukunftsszenarien (z. B. „AI-driven warfare“) |
| Wichtig ! | Das ist nur die offizielle Darstellung |
Folgt man nun dieser, von Militärs geschaffenen Übersicht, ist klar zu erkennen:
Wir befinden uns im Zeitalter von 5GW, was etwa im Jahr 2005 begann.
Allerdings scheint man sich unter Militärstrategen selbst nicht ganz so sicher zu sein. Hier wird oft erst der Arabische Frühling (2010/2011) und Ägypten in Zusammenhang gebracht, wo Elemente einer völlig neuen Art von Kriegsführung erstmals deutlich wurden.
Damals soll das soziale Netzwerk Twitter (heute X), als Teil der „sozialen Kontrolle“ im Rahmen von Cyberkampagnen eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Aber gut, lassen wir das die „Experten“ darüber streiten. Für den Moment ist es nicht wichtig.
Fest steht aber hier bereits, 6GW sollte nun wirklich kein von Verstand beseelter Mensch mehr wollen. Vom klaren NEIN zum Krieg im Allgemeinen mal ganz abgesehen.
Wir stehen also bei 5GW und „kognitiver Kriegsführung“, als ein Bestandteil der hybriden Kriegsführung.
Das Thema „kognitive Kriegsführung“ hat sich innerhalb des bisher dargestellten Komplexes vom Hybriden Krieg quasi zu meinem Kernthema entwickelt, welches ich inzwischen sehr tiefgründig untersuche.
Und letztlich kommt es genau darauf an, wie gleich deutlich wird:
Kognitiv ist ein Adjektiv, das sich auf Prozesse des Denkens, Wahrnehmens, Lernens und Verstehens bezieht.
Es stammt aus dem Lateinischen („cognoscere“ = erkennen) und wird u.a. vor allem in der Psychologie, Neurowissenschaften und Philosophie verwendet. Mittlerweile muss man hier auch die Physik und die sog. Parapsychologie mit einbeziehen. Es bedeutet, dass es etwas mit geistigen Funktionen zu tun hat, wie z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Problemlösung oder Entscheidungsfindung und den daraus resultierenden Handlungen eines Individuums oder einer mehr oder weniger großen Gruppe von Menschen, zusammengesetzt aus Einzelindividuen. Stichwort: Kollektives Bewusstsein, Gruppendynamik.
Der Kognitive Krieg ist ein unsichtbarer Krieg gegen den menschlichen Verstand.
… oder
Der menschliche Verstand ist das neue Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts.
Warum dieser Krieg als „unsichtbar“ definiert wird, werde ich in folgenden Artikeln noch sehr detailliert aufzeigen und jede Menge öffentliche Quellen liefern, die das ganz klar und genauso beschreiben.
Aber was hat nun der menschliche Verstand damit zu tun?
Kommen wir, wie oben versprochen, zur : „Full Spectrum Dominance“ und den bereits erwähnten Domänen, über die das Militär gern im vollem Spektrum herrschen möchte. Aus militärischer Sicht gibt es aktuell folgende Domänen:
- Domäne: Land = Landstreitkräfte
- Domäne: Luft/Atmosphäre = Luftstreitkräfte
- Domäne: Wasser = Seestreitkräfte
- Domäne: Weltraum = Weltraumstreitkräfte
- Domäne: Cyberspace/Internet = digitale Streitkräfte
Bis zum Jahr 2020 (Beginn der Pandemie Lüge) fehlte noch eine letzte Domäne, die es im vollen Spektrum zu erobern und zu beherrschen galt.
Die wohl komplizierteste überhaupt:
- Domäne: Menschlicher Verstand = Psychologische- oder kognitive Streitkräfte
Für jede einzelne dieser Domänen gibt es i.d.R. eine oder mehrere Waffengattungen, die darauf spezialisiert sind, das militärische Ziel der „Full Spectrum Dominance“ möglichst schnell und effektiv zu erreichen.
Seit 2020 nun gibt es eine eigene Domäne, die sich speziell auf den menschlichen Verstand konzentriert. Der kognitive Krieg richtet sich vor allem gegen die Wahrnehmung, das Verständnis von Prozessen, in der Folge auch gegen das Denken und die richtige Einordnung von Ereignissen, die uns tagtäglich begegnen.
Auch hier gibt es offensichtlich unterschiedliche Waffengattungen. Die man in Soft- und Hard Power – Techniken gliedern kann. Der Begriff von „nicht-tödlichen Waffen“ taucht hierbei sehr oft auf. In weiteren Artikeln gehe ich noch näher darauf ein.
Fazit: Es herrscht Krieg und es wird zunächst nicht besser …
Es geht längst nicht mehr darum, ob irgendwo geschossen wird, oder Bomben fallen und Granaten einschlagen, was sicher schon schlimm genug ist.
Es geht heute vielmehr um die bewusste Wahrnehmung des Krieg in seiner vollen Bandbreite, die man durchaus als multidimensional bezeichnen kann.
Es ist deshalb ein „unsichtbarer Krieg“, weil in der hybriden Kriegsführung die Erkennungsmerkmale eines klassischen Krieges bewusst und gezielt verwaschen und unkenntlich gemacht werden.
So unkenntlich, dass ein normaler Mensch kaum noch erkennen kann, dass er sich selbst gerade als aktiver Akteur in einem Krieg befindet. Ein Krieg den er gar nicht verstehen soll. Zum Beispiel als Akteur in sozialen Netzwerken.
Dazu wird das Unterbewusstsein unter gezielter Umgehung der bewussten Wahrnehmung von Menschen direkt angegriffen. Kognitiver Krieg ist auch ein Krieg der Emotionen.
Es geht nicht darum, WAS Du denkst, sondern WIE Du denkst.
Ein mögliches Ziel ist hierbei: Menschen dazu zu bewegen, Dinge auch gegen ihren Willen mit dem Gefühl von Freiwilligkeit, selbst gewollter Eigeninitiative und aus vermeintlicher inneren Überzeugung zu tun.
Einfaches Beispiel: Pro Ukraine vs. Contra Ukraine. Denn im Kern wird genau diese Debatte gleichzeitig auch dafür genutzt, die Deutschen wieder „kriegstauglich“ zu machen. Dabei wird das öffentliche Pro und Contra bewusst und gezielt gefördert.
Durch die gezielte Fokussierung, allein auf diese kontroverse Debatte, wird gleichzeitig von anderen sehr tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen abgelenkt.
Zum Beispiel: Wirtschaftskrieg USA – Europa, Deindustrialisierung, Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen und kultureller Werte, Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens. Zentralisierung und Festigung von globalen Machtstrukturen (WHO, UNO). Die unipolare Welt.
Die Masse der unterschiedlichen Aktionen auf ganz unterschiedlichen Ebenen, zeitgleich durchgeführt mit den unterschiedlichsten Methoden, macht es normalen Menschen unmöglich, die für ihr Leben dringend notwendige Orientierung aufrechtzuerhalten.
Sie werden sehr erfolgreich, kognitiv und emotional ganz gezielt überlastet.
Es finden also gleichzeitig sichtbar klassische und unsichtbare Kriege statt. Soziale Medien zum Beispiel werden zur Waffe, weil Menschen glauben mit ihren Emotionen, dort etwas erreichen zu können, etwa weil die Wahrnehmung von digitaler- und realer Welt vermischt werden
Dabei liefern aber genau diese Menschen Echtzeitdaten, die zum Beispiel aktives Monitoring, Analyse, Klassifikation und Validierung ermöglichen und KI-gestützte Folgemaßnahmen hervorbringen.
Ganz normale Menschen werden damit, meist unfreiwillig, zu aktiven Kriegsteilnehmern umfunktioniert, obwohl sie eigentlich überzeugte Kriegsgegner sind. Das ist für die meisten Menschen unsichtbar.
Das Allzweckwerkzeug des hybriden Krieges ist dabei der Kognitive Krieg, der den normalen menschlichen Verstand zum neuen Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts erklärt hat.
Im nächsten Artikel der Serie „Krieg im 3. Jahrtausend“ gehe ich zunächst nur oberflächlich auf die Kernmerkmale der hybriden Kriegsführung ein. Damit werde ich das hier im ersten Artikel dargestellte Problem noch etwas erweitern, um es besser verdeutlichen zu können.
An dieser Stelle, vielen Dank für Dein Interesse.
Hast Du Fragen oder eigene Ideen dazu, dann schreib gerne in den Kommentaren, oder auf unseren/meinen WsD Facebook Post.
Bis bald:
Beste Grüße Ralph